Kältemärz 2013

Das Goddard Institute for Space Studies (GISS) der amerikanischen Weltraumbehörde NASA (Columbia University, New York befasst sich hauptsächlich mit der laufenden Dokumentation und Analyse der Enwicklung des Weltklimas. Auch die Temperaturen für den Monat März 2013 liegen inzwischen vor.
In Europa, Nordasien und der Ostküste Nordamerikas war der März 2013, der meteorologisch schon als Frühlingsmonat zählt ausgesprochen winterlich. Es schneite immer wieder und es war langanhaltend kalt. Die Temperaturen lagen zum Teil weit unter dem Durchschnitt (negative Temperaturanomalie).

Aber zugleich war der März 2013 in den anderen Regionen der Nordhalbkugel und auch global gesehen deutlich zu warm (positive Temperaturanomalie).

Temp Anomalies 2013

Temperaturanomalien im März 2013: links auf der Nordhalbkugel zu Frühlingsbeginn (links), auf der Südhalbkugel zu Herbstbeginn (rechts). Quelle: NASA, GISS (Karte erstellt unter GISS Surface Temperature Analysis)

Die winterliche Kälte im Frühlingsmonat März 2013 auf der Nordhalbkugel war also ein regionales Phänomen und nicht das mögliche Symptom einer allgemein beginnenden Abkühlung. Das bestätigen auch die Temperaturanomalien auf der Südhalbkugel. Fast überall war es dort im Herbstmonat März 2013 zu warm.

Doch was war die Ursache für die ungewöhnliche Kältewelle über den März 2013 in Europa, Nordasien und der nordamerikanischen Ostküste? Viel spricht dafür, daß es eine Zirkulationsanomalie auf der Nordhalbkugel war, die auch schon während der Winter der letzten Jahre vermehrt aufgetreten war. Ein langsamer, weit südlich verlaufender Jetstream mit Rossby-Wellen hoher Amplitude und ein dynamisches  Hoch über dem Polarmeer; eine Umkehrung der sonst üblichen Luftdruckverhältnisse. Über die tiefen Wellentäler des Jetstreams (hohe Amplitude) gelangte polare Kaltluft weit in den Süden (Ostküste Nordamerika) und das sich im Uhrzeigersinn drehende Hoch sorgte für kalte und trockene Ostwinde (Europa).

März 2013 Druckverteilung

Die anomale Luftdruckverteilung im März 2013: Ein dynamisches Hoch über dem Polarmeer lenkte kalte und trockene Luft aus dem Osten nach Europa. Der Luftdruck war in der Höhe (5oomb bzw. HPa) sogar noch stärker erhöht als in Bodennähe. Das ist typisch für ein dynamisches Hoch, das sich von oben nach unten aufbaut. Ein thermisches Kältehoch beschränkt sich dagegen auf den bodennahen Bereich. Der Jetstream mit seinen dynamischen Tiefs verlief weit südlich (Tiefdruckzone). Quelle: NOAA (erstellt mit dem Analysetool des NOAA Earth System Research Laboratory)

Diese Zirkulationsanomalie geht wahrscheinlich auf die Eisschmelze in der Arktis zurück und die ist eine direkte Folge der globale Erwärmung! In der Arktis sind die Temperaturen infolge des Eis-Albedo-Effektes besonders stark angestiegen. Das liegt vor allem an dem Rückgang des arktischen Meereises, das dabei mehr und mehr von der dunklen Wasseroberfläche freigibt. Das Sonnenlicht wird dann nicht mehr durch das helle Eis reflektiert (abkühlende Wirkung) sondern durch das dunkle Wasser hervorragend absorbiert (erwärmende Wirkung). Eine wärmere Arktis bedeutet einen geringeren Temperaturkontrast in den mittleren Breiten und es ist dieser Temperaturkontrast welcher den Jetstream antreibt. Bei einem schwächeren Antrieb wird der Jetstream langsamer und welliger (Rossby-Wellen mit hoher Amplitude). Die Wellen pflanzen sich nicht nur horizontal sondern auch vertikal fort. Dabei stören sie den Polarwirbel in der Stratosphäre bis dieser schließlich zusammenbricht. Die vorher von dem Wirbel eingeschlossenen Kaltluft stürzt abwärts und erwärmt sich durch die dabei stattfindende Kompression (sudden stratospheric warming). Die Luftmassen über der Polarregion werden von oben beginnend hinabgedrückt und dabei entsteht das dynamische Hoch   (siehe auch Wärmere Arktis, Eisschmelze, Kältere Winter)!

Aber trotzdem: Überall sonst zeigte die globale Erwärmung mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen auch im März 2013 ihr gewohntes Gesicht.

Jens Christian Heuer

Quelle: Goddard Institute for Space Studies (GISS)

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