Die Dinosaurierspuren von Barkhausen

In Barkhausen nahe Melle im Osnabrücker Land findet man mitten im Wald eine beinahe senkrecht stehende Felswand aus Sandstein auf der zwei verschiedene Dinosaurierarten ihre Spuren hinterlassen haben. Die Fundstätte in einem ehemaligen Steinbruch ist als Naturdenkmal hergerichtet. Es gibt eine Überdachung, die vor Regen schützt, Bildtafeln mit Erklärungen und lebensgroße Modelle der beiden Saurierarten. Die Dinosaurier hinterließen vor 150 Millionen Jahren ihre Spuren im feuchten Sand eines Strandes am Rande eines Meeres.

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Die Dinosaurierspuren werden durch ein Dach vor Wind und Wetter geschützt. Bild: Jens Christian Heuer

Es gibt, wie schon erwähnt, zwei verschiedene Arten von Abdrücken:

1) Eine Herde von Sauropoden, großen Pflanzenfressern, die auf vier Beinen gingen und durch ihren langen Hals auch die Blätter höherer Bäume abweiden konnten. Sie hinterließen runde (Hinterfüße) und halbmondförmige Abdrücke (Forderfüße).

2)Fleischfressende Theropoden, die aufrecht auf zwei Beinen gingen und die für sie typischen dreihzehigen Fußabdrücke hinterließen. Die Dinosaurierspuren blieben erhalten, weil der Sand eintrocknete bevor auflaufendes Wasser die Abdrücke zerstören konnte. Neue Ablagerungen bedeckten alles und schützten so die Abdrücke. Der Druck durch das Gewicht der im Laufe der Zeit hinzukommenden Ablagerungen wurde schließlich so groß, daß sich der Sand in Stein umwandelte.

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Die Dinosaurierspuren befinden sich in Sandstein. Bild: Jens Christian Heuer

Neben dem Sandstein gibt es auch noch Kalkablagerungen (Kalkschalen von ein- oder mehrzelligen Meerestieren)und dicke Ablagerungen von rotem Ton. Die rote Farbe kommt durch das im Ton enthaltende Eisenoxid (Rost)zustande. Eisenoxid entsteht aus metallischem Eisen in einer sauerstoffreichen, feuchten Atmosphäre, besonders dann, wenn es schön warm ist. Die Anwesenheit von viel rotem Ton weist damit auf ein tropisches Klima bei dem das im Gestein enthaltene Eisen sehr schnell rostet.
Die Dinosaurier stapften also über den Strand eines tropischen Meeres.
Das heutige Europa lag damals nahe dem Äquator. Infolge der durch Plattentektonik angetriebenen Kontinentalverschiebung bewegte es sich nach und nach in Richtung seiner heutigen Position in den mittleren Breiten der Nordhalbkugel. Die urprünglich waagerecht liegenden Gesteinsschichten wurden dabei gegeneinander verschoben, gefaltet und dabei zum Teil auch in eine senkrechte Lage gekippt (so wie der Sandstein mit den Dinosaurierspuren).

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Lebensgroßes Modell eines Sauropoden. Bild: Jens Christian Heuer

Der viele Sauerstoff, der das Eisen der Gesteine rosten ließ, kam erst in die Erdatmosphäre als das Leben die Photosynthese erfand. Dabei werden mit einer Maschinerie aus Enzymen in einem elektrochemischen Prozess aus Kohlendioxid und Wasser nahrhafte Zucker (bzw. Kohlehydrate) aufgebaut. Große Mengen Sauerstoff werden in die Atmosphäre freigesetzt. Die Energie für die Photosynthese liefert das Sonnenlicht.
Interessanterweise ist unser Nachbarplanet Mars ein global verrosteter Planet. Die Oberflächengesteine enthalten reichlich rotes Eisenoxid. Es entstand während der feuchtwarmen Vergangenheit des Planeten. Damals hatte der Planet eine Plattentektonik, es gab Flüsse, Meere und es war sehr viel Sauerstoff in der Atmosphäre. Heute ist der Mars trocken und kalt, die Plattentektonik funktioniert nicht mehr, die Atmosphäre wurde immer dünner und Sauerstoff ist in ihr nur noch in Spuren vorhanden.

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Mars, der Rote Planet. Quelle: Hubble, NASA

Der Planet erlebte eine Katastrophe! Vielleicht lag es daran, daß der Mars deutlich kleiner ist als die Erde und deshalb im Inneren relativ schnell erkaltete? Der Kern des Planeten war nicht mehr heiß genug. Der Antrieb für die Plattentektonik und den inneren elektromagnetischen Dynamo fiel dadurch aus. Der klimatisch wichtige Kohlenstoffkreislauf kam mit dem Versagen der Plattentektonik zum Erliegen, und das globale Magnetfeld brach durch den Ausfall des inneren Dynamo zusammen. Die Atmosphäre des Mars war nun nicht mehr vor der einfallenden kosmischen Strahlung geschützt und wurde nach und nach zerstört. Noch ein Gedanke: In seiner Vergangenheit war der Mars warm und feucht. Es gab Meere, Flüsse, eine Plattentektonik (und Kontinentalverschiebung) und damit auch einen funktionierenden Kohlenstoff- und Wasserkreislauf. Und mehr noch, es gab damals auch viel Sauerstoff in der Marsatmosphäre, der das Eisen der Oberflächengesteine rosten ließ. Alles so wie auf der Erde! Heißt das nicht eigentlich, daß es auf dem Mars zumindest früher auch Leben gab!?

Jens Christian Heuer

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